Weiße Boxer (Seite 2)

Was sagt die Wissenschaft?

Farbgenetik

Die Farben der Boxer werden nach den Mendelschen Gesetzen vererbt. Der Boxer hat in jedem Fall eine Grundfarbe, die entweder gelb oder gestromt ist, wobei gestromt dominant über gelb ist. Von der Grundfarbe  unabhängig wird die weiße Farbe durch das Weißscheckungsgen weitergegeben, das die Grundfarbe in unterschiedlichen Maße verdrängt. Wenig weiß ist dabei dominant  über viel weiß. Das Weißscheckungsgen wird autosomal rezessiv vererbt, wobei  das Gen für“ Grundfarbe“ unvollständig dominant ist, so dass Hunde, die heterozygot sind weiße Abzeichen haben. Wie ausgedehnt die weißen Abzeichen bei einem heterozygoten Tier sind, ist verschieden. Der Grund dafür ist noch nicht geklärt, man nimmt jedoch an, dass dies auf die „Gegenwart modifizierender Gene“ zurückzuführen ist.

Auf jeden Fall ist das Weiß zuerst an Brust und Pfoten zu finden , dann am Bauch, Schnauze und Schwanzspitze. Wenn ausgedehntere weiße Abzeichen vorhanden sind, dann umfassen sie die Läufe und breiten sich um den Hals aus. (Auszug aus Schleger-Hundezüchtung in Theorie und Praxis, und Burns&Fraser –Die Vererbung des Hundes)

 

Taubheit

Es hält sich standhaft der Glaube unter den Boxerfachleuten, dass die weißen Boxer taub und blind wären, wenn auch nicht alle, so doch der größere Teil. Warum dies so sein soll, wird nirgends erläutert, man soll einfach akzeptieren, dass es so ist! Außerdem bräuchte man sich ja nur den Dalmatiner anschauen, dann sehe man, dass es wirklich so ist.

Nun wies Hirschfeld aber schon 1956 durch Testpaarungen nach, dass Taubheit und weißes Fell, wenn überhaupt, keineswegs eng miteinander gekoppelt zu sein brauchen. Dies wurde jetzt in einer Dissertation, die im Jahr 2000 an der  Tierärztlichen Hochschule Hannover  geschrieben wurde, bestätigt. Populationsgenetische Untersuchungen der kongenitalen Taubheit beim Dalmatiner, d.h. die Taubheit wird beim Dalmatiner unabhängig von der weißen Farbe vererbt. Es spricht sehr viel dafür, dass es sich auch bei den Boxern ähnlich verhält. Außerdem haben die englischen Bulldoggen, von denen der Boxer das Weißscheckungsgen geerbt hat, keine Gehörprobleme, obwohl bei dieser Rasse sehr viel mit  weiß gezüchtet wird. Schon von daher mutet es einem sehr seltsam an, warum der weiße Boxer, der ja ein Nachkomme der englischen Bulldogge ist, Gehörprobleme haben soll.

Mit den Erkenntnissen dieser Arbeit kann man sagen, dass eigentlich nichts dagegen spricht, die Weißen zur  Erweiterung der Zuchtbasis und damit auch des Genpools mit in die Zucht zu nehmen!

Wir denken, daß in dieser Arbeit gründlich  mit den Vorurteilen aufgeräumt wurde, dass  die Weißen häufiger taub und blind seien und überhaupt kränker als die farbigen Boxer.

Positive Effekte würde die Zulassung von weißen Boxern zu Zuchtprüfungen und Zuchtschauen in jedem Fall für die Nachzuchtkontrolle  haben, denn auch weiße Boxer zeigen die Mängel und Vorzüge ihrer Eltern. In manch einem Weißen sind die Vorzüge der Eltern durch den genetischen Zufall eher ausgeprägt als bei seinen farbigen Geschwistern!

 

Wie weit Züchter für ihre miesen, abscheulichen Ideen zu gehen bereit sind zeigte sich

als Ende der 70 er Jahre das neue Tierschutzgesetz herauskam, welches unter anderem besagt, dass keine Wirbeltiere ohne triftigen Grund getötet werden dürfen. Der BOXER KLUB  versuchte noch gegen dieses Gesetz anzugehen, indem er von Prof.Dr. Wegner (Tierärztliche Hochschule Hannover) ein Gutachten darüber einholte, „ob es aus  genetischen und medizinischen Gründen vertretbar sei, dass Hundezüchtern geboten wird, weiße Boxerwelpen zu töten“ !! Prof.Dr. Wegner antwortete aber,“ dass  er das Töten von Welpen aus rein farbformalistischen Erwägungen verurteile. Die Weißscheckung beim Boxer sei mit keinen offensichtlichen Missbildungen verknüpft!“

 

Trotz des neuen Tierschutzgesetzes, welches nun inzwischen seit gut 20 Jahren in Kraft ist, sieht man immer noch nicht sehr viele weiße Boxer, Viele Menschen haben überhaupt noch nie einen gesehen. Wie kann so etwas möglich sein, wenn doch bei einer Verpaarung, wo beide Eltern farbig , aber dabei weißerbig sind, nach den Mendelschen Gesetzen 25% Weiße fallen müssen. Dies ist damit zu erklären, dass viele Züchter nur solche Paarungen vornehmen, bei denen erst gar keine Weißen fallen. Ein sehr großer Teil tötet sie noch immer direkt nach der Geburt mit dem Hinweis im Zuchtbuch, dass sie lebensschwach gewesen wären.  Mindestens 52 % der Weißen werden noch immer eliminiert!!

 

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zuletzt aktualisiert am

Dienstag, 27. November 2007 15:54