Jugendheim Hollabrunn

1960-1966

Alles was ich erzähle passierte natürlich auch  anderen Mädchen der Gruppe 2, ich wurde nicht alleine misshandelt und gequält, bei Gott nicht!!!

Da bin ich also im Jahre 1960 gelandet! Es war der 17. Mai und wie man auf dem obigen Bild gut sehen kann, war aus einer aufmüpfigen 11-jährigen, ein in einer Mädchengruppe integriertes Individium geworden! Hier auf dem Bild sieht man nicht alle Zöglinge der Gruppe, aber wir waren 20 Mädchen, alle (fast!) gleich angezogen, mit fast gleichem Haarschnitt, im Alter zwischen 7-15 Jahre. Die 2.vorne rechts, war der Liebling unserer Erzieherin Sr.Regina, einer Nonne aus dem Franziskanerorden. (das Heim war ja ein Kloster, und alle Erzieherinnen und Lehrerinnen waren Klosterschwestern) Sie durfte alles! Sie wurde niemals geschlagen, was uns restlichen Girls leider nicht erspart geblieben ist! Ich weiß noch wie entsetzt ich war, ich wurde zu Hause von meiner Mutter(!) geschlagen, und nun ging es unter Sr. Reginas Kommando weiter damit!! Ob wir etwas angestellt hatten oder nicht, Sr.Regina  fand immer irgend einen Grund um uns zu züchtigen. Das ging dann so vor sich: Sie thronte auf einem Stuhl, einen dicken Stock in der Hand. Die, welche bestraft werden sollte, musste sich vor sie hinstellen und beide Hände mit den Handflächen nach oben vorstrecken. Die anderen Mädchen standen alle dabei und mussten die Anzahl der Schläge laut mitzählen, zum Beispiel fürs Sprechen beim Essen 30 Hiebe , fürs "nicht in Reihe und Glied gehen" 20 Hiebe usw.....! Wenn die Geschlagene auch nur einmal die Hände wegen der Schmerzen zurückzog, dann begann das Zählen 1..2..3..4.. wieder von Vorne!!! Immer wieder!! Sr. Reginas kleine, in Fett eingebettete Augen, leuchteten bei diesen Züchtigungen voller Vergnügen. Es machte ihr sichtlich großen Spaß uns auf diese Art zu "guten, anständigen" Menschen zu erziehen! Trotz unserer geschwollenen Finger mussten wir aber täglich unsere Hausaufgaben schreiben, die Gruppe putzen, Handarbeiten erledigen usw. Konnten wir es nicht, dann waren wir ja "stur" und wurden umgehend auf die gleiche Weise wieder und wieder bestraft! Wir, die Geschlagenen hassten sie, wir nannten sie immer nur "Die dicke Kröte", weil sie wirklich wie eine dicke, fette Unke aussah! Diejenigen, die sie niemals schlug, liebten sie, ist ja klar, durften ja alles, was wir, die "Schlimmen, Verdorbenen" nicht durften!

Sie war eine richtige Hexe! Heute  würde ich sie als als abgrundböses, perverses Schwein  bezeichnen und ich wünsche ihr, dass sie in der Hölle  (sollte es sie geben) schmoren muss!! Sie hatte noch viel mehr an Strafen auf Lager, zum Beispiel musste ich oft 1 ganze Stunde "Hände hoch" in einer Ecke stehen! Wofür? Ja vielleicht einmal zu laut oder zu viel gelacht, nicht sofort das gemacht, was sie von mir wollte..... es gab so viele Gründe, die gar keine waren!! Ich erinnere mich noch , dass meine Monatsblutung immer sehr stark war. Nachts passierte es mir immer, dass das Leintuch voller Blut war. Ich musste es dann sofort(!), noch vor Unterrichtsbeginn abziehen, mit kaltem Wasser auswaschen , und wehe(!!) es waren noch Flecken darauf,  natürlich waren  da noch welche drauf, dann nahm sie das nasse Tuch, drehte es zusammen und schlug mich damit. Auch die Binden für die Monatsblutung wurden uns abgezählt zugeteilt. Da ich wie schon gesagt sehr starke Blutungen hatte, waren es für mich immer zu wenig, und so kam es, dass sich das grausame Spiel jeden Monat wiederholte.  Ich bin überzeugt davon , dass ich in meiner Kindheit mehr Kniebeugen gemacht habe als jeder Spitzensportler der Welt!  Mein Gott, was musste ich viel "Kniewippen"! Manchmal konnte ich vor lauter Schmerzen fast nicht gehen, trotzdem , das hatte ich in der Zwischenzeit gelernt, jammerte ich nicht, denn sonst wäre sofort wieder der "Stock" in Aktion getreten! Fast noch schlimmer als diese Übergriffe waren aber Sr. Reginas "Fleckerlkratzorgien"! Die Gelsen im Heimpark waren sehr verliebt in sie,( sagte sie, heute  denke  an was Anderes wenn ich daran zurückdenke) . Abends saßen wir im Sommer immer im Park, ein Mädchen musste dann am Boden sitzen und ihr die Beine kratzen. Ein anderes Kind musste unter ihren weiten Habit-Ärmel hineingreifen und auf diese Art ihren Rücken kratzen! Ein anderes Mädchen den anderen Arm usw....so saßen da immer 4, 5 Mädchen und mussten sie überall abgreifen und  kratzen! Ich habe mich all die Jahre verweigert, mich ekelte zu sehr vor dieser Person!! So saß sie dann wie eine dicke fette Kröte und genoss sichtlich diese widerlichen Kratzereien. Meine Verweigerung wurde natürlich auch bestraft, sie fand dann immer einen Grund um mir meine Finger wund zu schlagen!!! Als ich 13  Jahre alt war begann ich mich zu wehren und  gab ihr eine Ohrfeige mitten ins Gesicht.................  danach  verbot sie den anderen Mädchen mit mir zu sprechen, mit mir im Park spazieren zu gehen. Ich wurde einfach ausgegrenzt und  die , die sich nicht daran hielten , wurden natürlich sofort von ihr bestraft! Rosi H... war damals meine beste Freundin. Wie oft wurde sie von Sr. Regina bestraft, weil sie heimlich mit mir ein paar Worte gesprochen hatte. Ich weiß, dass Rosi heute Lehrerin ist , und es würde mich sehr interessieren, wie sie wohl heute über das Treiben von Sr. Regina denkt! Sie war wirklich in fast jedem Bereich sehr schlimm, sogar beim Essen! Ich weiß noch ganz genau, wie sehr sie mich damit gequält hat. Zum Beispiel, ich hasse Rhabarber! Heute noch, ich kann ihn nicht einmal riechen, ohne einen Brechreiz zu bekommen. Leider gab es im Sommer öfters davon zu essen. Sr. Regina wusste also ganz genau, dass ich es einfach nicht schaffte, dieses Kompott hinunter zu schlucken. Ich saß dann vor meinem gefüllten Teller, die anderen Mädchen waren schon weg, Sr. Regina neben mir. Ich kotzte regelmäßig alles wieder auf den Teller zurück und sie zwang mich dann immer und immer wieder den Rhabarber mit dem Ausgekotzten zu essen. Sie machte das so lange, bis ich ihr einmal ihren Habit vollkotzte, da lief sie dann zur Direktorin Sr. Solana, (spätere Generaloberin, erst vor kurzem verstorben), die kam dann , nahm den Löffel und  fütterte mich dann mit dem ausgekotzten Zeug...........immer und immer wieder!!!!  Am allerschlimmsten  waren aber die Prügelorgien............heute weiß ich, dass diese Nonne ein Sadist war,  wir mussten uns im Kreis aufstellen, ein Mädchen spielte mit der Zieharmonika, Sr. Regina hatte einige Ruten aus einem Besen in der Hand, wir mussten dann nach der Musik im Kreis laufen und sie schlug wie wild auf uns ein.....................so lange, bis  sie keuchte, einen hochroten Kopf bekam..................meine Haut war oft aufgeplatzt, ich hatte solche Angst vor diesen Schlägen...................sie schlug uns  und schlug uns, ihr Keuchen wurde immer heftiger................na ja.............mehr will ich nicht sagen............gibt halt Menschen. die dann einen Orgasmus bekommen wenn sie andere quälen!!!

Sicher ist , dass ich durch eine Klosterfrau lernte mich zu wehren! Je stärker ich wurde, desto freundlicher wurde sie auf einmal. Sie hatte einfach Angst vor mir, und das war gut so!! Sie ließ mich im letzten Jahr , das ich noch bei ihr in der Gruppe verbringen musste endlich in Ruhe. Sie hatte ja noch genug andere, hilflose Opfer, denen sie sich zuwenden konnte! Ich empfinde bis heute nur Abscheu und Ekel wenn ich an diese Nonne denke!! Was Sr. Regina auch sehr gerne machte war  uns die Hände am Bett links und rechts festzubinden, dazu  mussten wir Fäustlinge anziehen, dann band sie uns die Hände  fest.................sie sagte uns immer, nur so könne sie uns von einer Selbstbefriedigung abbringen..............die Jüngste war 7 Jahre alt, die  war Bettnässerin, auch sie wurde  am Abend immer an den Händen festgebunden.............noch heute habe ich  einen Klos im Hals..........sie tat mir sooooooo leid die Kleine............sie hieß  Gertrude B., ein  süßes, sehr  liebes zartes Mädchen..........sie weinte sich immer in den Schlaf und wir konnten ihr nicht helfen..............In der Nebengruppe war es nicht anders...............Sr. Zitha schlug und schlug.........später dann wurde sie versetzt weil sie einmal so lange auf ein am Boden liegendes Mädchen eingeschlagen und eingetreten hatte bis  das Mädchen blutend und  nur noch wimmernd am Boden lag . Die Eltern dieses Mädchens machten dann eine Anzeige und dann verschwand auch Sr. Zitha klanglos..........habe dann erfahren , dass man sie wieder zu Kindern versetzt hatte.........toll, verschweigen, lügen, misshandeln .........so war es immer................man wurde einfach als Lügner abgestempelt oder man hatte eben eine soooo schmutzige Fantasie....................niemand glaubte uns wenn man nicht gerade blutend am Boden lag und man ins Krankenhaus musste!!! In den 80er Jahren wurden Mädchen einem Pater  zur Wohnungsreinigung zur Verfügung gestellt, dieser Pater Auer  machte die Mädchen betrunken, dann vergewaltigte er sie, dies war schon in der Zeit, als ich nachdem ich aus Afrika zurück gekehrt war und  wieder mit Sr. Berchmana Kontakt aufgenommen hatte!! ICH weiß ja alles...............war ja bestimmt in den nächsten Jahren, bis 1994, mindestens 3 Tage in der Woche  im Heim, schlief dort  und half Berchmana,  schrieb Texte für Aufführungen usw....ich erlebte diese Sache also hautnah mit!!!  

Ich weiß, jeder "normale" Mensch wird sich jetzt die Frage stellen, warum wir uns nicht über Sr. Regina beschwert haben. Habe ich! Niemand, außer Sr.Richardis aus der Krankenstation, glaubte uns! Sie wusste anscheinend viel mehr über Sr.Regina als ich bis heute weiß,  sie hörte uns an, sagte wir sollen doch zur Direktorin des Hauses gehen, aber sie selber tat auch nichts dagegen. Das ist wie bei der berühmten Krähe, die der Anderen kein Auge auspickt!  Ich habe mich beschwert bei der Direktorin, bei meinen Eltern, aber es wurde einfach mit der Begründung wir hätten halt eine  "lebendige, schmutzige Fantasie" abgetan! Auf jedem Fall konnte Sr.Richardis Sr.Regina überhaupt nicht leiden, was ich aber erst von ihr erfahren habe, als ich schon erwachsen war, und wir sehr oft über die "alte" Zeit sprachen! Es war (und ist) ein sehr großes Haus. Es  gab 2 Hauptgebäude. in dem einen Haus waren die Gruppen 1 bis 6 , die Küche, die Direktion und die Krankenstation,  in dem anderen Gebäude waren die Gruppen 7 bis 9, die Schneiderwerkstätte und die Schule untergebracht. In jeder Gruppe befanden sich zwischen 18 bis 22 Mädchen. Die schulpflichtigen Kinder waren in den Gruppen 1bis 3 und 8 bis 9. (wenn ich mich noch richtig entsinne!)  Ich war in der Gruppe 2, eben bei Sr. Regina! 

 Meine schulischen Leistungen steigerten sich innerhalb eines Jahres von 4 Fünfer, auf lauter Einser! Ich fand auf einmal riesigen Spaß am Lernen, aber ich hatte auch ganz liebe, tolle Lehrerinnen. Ihnen, vor allem Sr. Luzia und Sr. Irene verdanke ich so viel. Sie waren beide ganz wunderbare Menschen, die mich immer gefordert und gefördert haben! Danke! Sr. Wilhelmine unsere Musiklehrerin legte auch großen Wert aufs Musizieren. Sehr schnell erkannte sie mein musikalisches Talent und ich durfte Gitarreunterricht nehmen. Das erleichterte meine Situation ungemein. Ich wurde bei jedem Theaterspiel, bei jeder Schulaufführung angefordert weil ich eine wunderschöne Stimme hatte und so gut Gitarre spielen konnte.  Sr. Wilhelmine begann erst mit dem Singen, wenn ich anwesend war. Kam ich einmal zu spät, mussten so an die 100 Mädchen warten, bis ich eintrudelte. Wilhelmine war nie böse auf mich, sie tat nur so. Sie war eine poltrige, strenge Person, aber dies nur nach außen! Ich hatte schnell erkannt, dass diese Klosterfrau ein Herz wie Butter hatte und dass sie mir ganz besonders zugetan war. Ich dankte ihr dafür mit meinem totalen Einsatz. Wann immer sie mich brauchte, das war sehr oft, war ich sofort zur Stelle. Sie war für mich in den Schuljahren eine große Stütze und Hilfe. Ich habe sie sehr geliebt. Leider verstarb sie viel zu früh! 

Ich war also in den nächsten Jahren sehr beschäftigt. Ich war im Turnverein bei Prof. Strnat (hieß wirklich so!), ich sang im Heimchor, war im Kirchenchor, spielte Theater, und als ich 14 Jahre alt war durfte ich alleine  die feierliche Ostersonntag und Ostermontagsmesse singen. Die fand im Hollabrunner Priesterseminar statt, eine riesengroße Kirche. Sie war gefüllt bis auf den letzten Platz. Ich war mit Sr. Wilhelmine oben im Chor. Sie spielte wunderbar Orgel ( hatte klassische Musik studiert) und ich durfte alleine singen. Die Kirchenbesucher hatten immer nur ein paar Zeilen dazwischen nach zu singen. Ich sang ohne Mikro, aber meine Stimme war und ist sehr kräftig. Ich sang damals alles in Deutsch( war eine Seltenheit in dieser Zeit, sonst ja nur Latein). Ich beschrieb in meinen Liedern den Weg Christi nach der Auferstehung, den Weg nach Emmaus, wo er seinen Jüngern begegnete, ich sang die Geschichte der Maria Magdalena! Es war ein Riesenerfolg! Nach der Messe strömten die Menschen auf mich zu und gratulierten mir. Viele der Schwestern kamen mit Tränen in den Augen zu mir und bedankten sich. Sr. Regina platzte fast vor Stolz auf mich, aber es war einzig und allein Sr. Wilhelminas und mein Erfolg! 

Es gab noch etwas was mich fürchterlich störte. Immer wenn ich zu unserem Psychiater Dr. Schmuttermeier (bereits verstorben, deshalb nenne ich seinen Namen) gehen musste, betatschte der mich andauernd.  Er griff mir unter die Bluse, unter den Rock, schrecklich, ich getraute mich aber niemanden etwas zu sagen, ich wusste, man hätte mir so wie so kein Wort geglaubt!! Ich habe mich vor einigen Monaten mit einer "Ehemaligen" , die mit mir in der Gruppe war, getroffen. Wir sprachen von den "Alten Zeiten" und ich war erstaunt von ihr zu hören, dass auch sie von ihm belästigt worden ist. Eigentlich ja klar, denn wer es einmal tut, der versucht es auch bei den Anderen! Gesagt hat keiner was, denn wer hätte uns wohl geglaubt? Niemand!! Wäre halt auch nur eine schmutzige Phantasie gewesen!!  

Bis zu meinem 15 Lebensjahr musste  ich jedes Jahr (alle anderen natürlich auch!) 1 mal zum Zahnarzt, 2mal zum Heimarzt und 2 mal zum Frauenarzt. Wäre ja auch nicht schlimm gewesen, aber der Besuch des Frauenarztes? Ich war eingesperrt in einem Kloster, durfte nie (außer zur Firmung) in den Schuljahren nach Hause fahren, und trotzdem musste man zu diesem Arzt gehen. Natürlich mit unserer Krankenschwester Sr. Richardis. Dies ging dann so ab: Rauf auf den Stuhl,   und die Schwester stand neben dem Arzt und assistierte ihm, Wobei, warum???????   Ich habe mich  immer fürchterlich vor der Richardis geschämt!!  Hatte man einmal einen Ausfluss (ist vor der Regel ja normal, hatte sich nur noch nicht bis ins Kloster rumgesprochen!)  musste man eine 10-tägige Tablettenkur machen. Diese wurden aber nicht geschluckt, sondern da lagen dann an jedem Abend 6, 7 Mädchen im Bett und warteten auf Sr. Richardis. Sie hatte dann eine lange Zange ,sah aus wie so eine lange Zange mit der man das Fleisch auf dem Grill wendet nur nicht so breit, in der Hand, dazwischen war die  Tablette . Damit ging sie von Bett zu Bett,  wir mussten mit weit gespreizten Beinen schon daliegen, eine neben der Anderen , und jedem Mädchen wurde mit der selben Zange, ohne dass sie steril gemacht oder irgendwie gereinigt wurde, die Tablette  eingeführt!  s tat schrecklich weh, sie traf ja nicht immer und wir waren ja nicht erregt, möchte damit sagen natürlich trocken da unten .....Warum wir uns diese Tablette nicht selbst einführen durften weiß nur der Himmel!! Sich selber "da unten" zu berühren galt ja als Todsünde, aber für so viele Mädchen das selbe Instrument zu benutzen war so sehe ich es heute, die größere Schweinerei!!  Warum sich Sr. Richardis dafür überhaupt hergab ist mir bis heute ein Rätsel und ich finde diese Sache total  p e r v e r s!!!! Noch immer empfinde ich  Scham  wenn ich daran denke...........ich fühlte und fühle mich so gedemütigt, immer noch!

Kinderpflegekurs

In der Schule lief alles prächtig. Ich war in jeder Schulstufe die Klassenbeste! Schön langsam stellte sich die Frage, was mit mir nach der Pflichtschule geschehen soll. Ich wollte unbedingt Geschichte , Deutsch und Musik studieren. Ich war sehr selbstbewusst und wusste genau, ich würde es schaffen. Mit 13 Jahren hatte ich einen Österreich-Wettbewerb mit dem Thema "Österreichs Anteil am Fortschritt der Technik" gewonnen. Meine Deutschschularbeiten wurden immer vor der ganzen Klasse vorgelesen, ich konnte wirklich gut erzählen, es niederschreiben.  Geschichte hat mich wahnsinnig fasziniert und ich war musikalisch wirklich sehr begabt. Ich hatte bei Sr. Wilhelmine auch noch Zither und Klavierunterricht erhalten, und ich war (so sagte sie mir immer) ziemlich gut! Was wollte ich also mehr, eine glänzende Zukunft stand mir also offen! Die Leiterin des Hauses setzte alle Hebel in Bewegung um mir ein Stipendium zu verschaffen. Natürlich bekam ich es, da ja meine Noten überall super waren. Meine Eltern hatten ja kein Geld, und deshalb sollte ich bis zur Matura in eine Schule kommen, wo auch ein Internat angeschlossen war. Die Eltern hätten keinen Schilling für mich bezahlen müssen. Doch es sollte alles anders kommen. Mein Vater, er war ja mein Erziehungsberechtigter, verweigerte die Unterschrift. Ein Mädchen bräuchte nicht  zu studieren, es würde ja sowieso heiraten und Kinder bekommen! Basta!! Für mich brach eine Welt zusammen, denn alles Bitten und Betteln war sinnlos. 

Berchmana

 

Da blieb ich also im Heim! Ich kam von der Schülergruppe endlich in eine andere Gruppe, wo ich die Jüngste unter 20 Mädchen war. Die Erzieherin hieß Sr. Berchmana. Ich war endlich "Zu Hause"! Sie ist der liebste, beste, herzlichste Mensch, der mir je begegnet ist. 

Links Sr.Monika(Direktorin) rechts Sr.Berchmana "Berchi" auf der Knoppener Berghütte als Spaßvogel
Am Lagerfeuer in Knoppen/Steiermark Berchi und ich bei einer Familienfeier

Endlich war da jemand, der mich so annahm, wie ich war. Sie erzählte mir später als  ich schon erwachsen war, dass sie richtige Angst vor mir hatte.  Mein Ruf war ja im ganzen Haus nicht gerade der Beste, ich galt als aufsässig, frech, anmaßend und total verdorben! In Wirklichkeit hatte ich  aber bei Sr. Regina nur gelernt mich zu wehren! Sr. Berchmana war nur 13 Jahre älter als ich und eine große Bewunderin von Sr. Regina! Sie wusste ja nur, dass sie sehr fromm war, gut singen  konnte und eine tolle Gedichteschreiberin war. Ich glaube, Sr. Regina war so an die 25 Jahre älter als Berchmana und daher eine Respektperson und Vorbild für die jungen Schwestern! Ich habe Sr. Berchmana alles erzählt, aber sie antwortete immer nur mit" Das war halt eine andere Zeit" und "Ich habe nie etwas davon gemerkt!" Wie denn auch?? Berchmanas Gruppe befand sich im 1. Stock, wir aber waren im Erdgeschoß, ganz hinten im Gebäude! Bis heute weiß ich nicht, was Berchi wirklich darüber denkt! Ich glaube, sie kann  und will sich einfach selber nicht eingestehen, dass so etwas in ihrer unmittelbaren Umgebung passiert ist.

Am Anfang hatte wir (Berchi und ich) sehr große Schwierigkeiten. Ich war ihr gegenüber sehr verschlossen und misstrauisch. Da ich die Jüngste unter 20 Mädchen war ( alle im Alter von 16-19 Jahre) hatte ich einen sehr schweren Stand in dieser Gruppe. Ich wurde von allen Seiten unter Druck gesetzt, durfte nur meinen Mund halten, war nur der Gruppenesel (das heißt, wenn jemand mir was sagte, musste ich es auch tun!) Jetzt kam mir meine Erfahrung mit Sr. Regina zu Gute! Nachdem ich der ältesten der Gruppe eine geknallt hatte, ließ man mich in Ruhe und siehe da, auf einmal hatte ich das Sagen! Ich schwöre, bis heute bin ich nie wieder handgreiflich geworden, es ist nicht meine Art!! Ich spürte bald, dass ich der Liebling von Sr. Berchmana war (bin es noch heute!). Sie nahm sich meiner an mit so viel Liebe und Geduld, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte. Wir wurden ein wirklich gutes Team! Da alle anderen Mädchen irgendwo im Haus, Küche, Garten, Wäscherei usw. beschäftigt waren, ein paar besuchten eine Handelsschule oder hatten eine Lehrstelle außerhalb des Hauses, war ich mit Berchmana fast ein ganzes Jahr lang den ganzen Tag alleine in der Gruppe. Keiner wusste so richtig was mit mir geschehen soll, da für mich ja ein Studiumplatz vorhanden war, ich diesen aber nicht ohne die Einwilligung meines Vaters antreten konnte. So konnten wir uns richtig kennen lernen! Ich liebte sie über alles, bis heute ist sie für mich meine Ersatzmutter, was aus mir geworden ist verdanke alleine ihr, ja ich bin das Produkt ihrer Erziehung! OHNE Berchmana  würde ich nur mit Hass an das Heim denken wegen dieser vielen Demütigungen und Quälereien von Sr. Regina und der Direktorin Solana.  

In diesem Jahr, wo ich allein in der Gruppe war, verbrachte ich also die Zeit mit Berchi und Sr. Wilhelmine. Ich war das erste Mädchen, das Klavier spielen lernen durfte. Es machte mir Riesenspaß , leider hatte ich nach meinen Heimjahren nie wieder die Möglichkeit dieses Instrument zu spielen und habe alles verlernt! (nur Übung macht den Meister!) Von all den Jahren, die ich in Hollabrunner Heim verbrachte, war dieses das Schönste! Leider verging es viel zu schnell und da mein Vater seine Meinung wegen meines Studiums nicht änderte, mußte ich die 1-jährige Hauswirtschaftsschule im Heim besuchen! Das bedeutete für mich 3 Monate Küche, 3 Monate Garten, 3 Monate Waschküche mit der Bügelei und 3 Monate Schneiderei!  Mich interessierte davon rein gar nichts! Ich bin handwerklich bis heute  eine totale Niete, deshalb schmiss mich die Lehrerin nach einem Monat aus der Nähgruppe. Gott seis gedankt!! Die Waschküche schaffte ich dank  2 sehr humorvollen Schwestern, das Bügeln lernte ich nie! Bis vor 8 Jahren hatte ich eine Büglerin beschäftigt, so sehr verabscheue ich diese Arbeit! Die Küche warf mich nach ein paar Tagen raus, da beim Kartoffelschälen kein  Kartoffel mehr übrig geblieben war, diese 3 Monate verbrachte ich mit Sr. Wilhelmine und Sr.Gertrud, die mir privat weiter Englisch-Unterricht gab.  Spaß machte mir nur der Garten. Sr. Vinzentia war (ist) eine kleine Person, sehr jähzornig, aber auch sehr ehrlich und direkt. Sie ist die einzige der Schwestern die immer das sagt (mir gegenüber) , was sie sich gerade denkt, und glaubt mir , das ist nicht immer druckreif!! Eine köstlich amüsante Person, die das Herz am rechten Fleck hat! Als ich einmal anstatt Unkraut, junge Zwiebelpflänzchen ausrupfte, warf sie mit einer Spitzharke nach mir. Diese blieb knapp neben meinen Kopf in der Erde stecken! Sie war darüber so erschrocken, daß ich danach von ihr nur noch verwöhnt, bevorzugt wurde. Ich genoss diese 3 Monate und bis heute habe ich mit Sr. Vinzentia ein wunderbares Verhältnis. Sie hat mir sehr viel über ihr Verhältnis zu ihren Mitschwestern anvertraut, aber so lange Sr. Vinzentia am Leben ist, werde ich natürlich nichts davon preisgeben! Manche der Mitschwestern würden sich aber sehr wundern!!! 

Schwester Vinzentia

Am Ende dieses "Schuljahres" bekam ich sogar ein Abschlusszeugnis, obwohl ich eigentlich außer den 3 Monaten im Garten und die paar Wochen in der Waschküche, nichts gemacht hatte. Ich habe dieses Zeugnis nie wieder angeschaut, geschweige denn weiß ich, wo es geblieben ist. Es war für mich gesehen, ein verlorenes Jahr, denn gelernt hatte ich in der Tat nichts!! 

Im Jahr darauf war "Hefn-Arbeit"-(Gefängnis) angesagt! Wir mussten Nachthemden für Spitäler, Hemden für Gefängnisse, Leintücher, Schürzen nähen. Täglich 8-10 Stunden immer nur nähen, nähen... am Abend mussten wir dann alle zusammen die Knopflöcher nähen (mit der Hand)! Diese stupide Arbeit wurde nur von einer noch viel blöderen Arbeit unterbrochen, nämlich dem Schweißen von Plastiksackerl! Ich habe bestimmt tausende von diesen hässlichen, stinkenden Tüten geklebt!! Man kann sich gar nicht vorstellen wie das ist als halbwegs intelegenter Mensch den ganzen Tag "Fließbandarbeit" zu machen, und das mit 16 Jahren!  Trotzdem ging es mir besser als den meisten Mädchen, denn Sr. Wilhelmine holte mich immer wieder zu sich um mit mir Lieder, Choräle usw. einzuüben, die ich dann wiederum mit den anderen Chormitgliedern üben muste. Außerdem bekam ich noch extra als Einzige von Sr. Gertrud weiterhin Englischunterricht, so das meine grauen Zellen wenigstens ein wenig mit anderen Dingen als mit diesen blöden, eintönigen Arbeiten, zu tun hatten! Sr. Berchmana hatte ja nichts anderes als Gehorsam gelernt (außer natürlich ihre Schule zur Handarbeitslehrerin, Kurse und Prüfungen zur Erzieherin legte sie ja erst nebenbei ab) , und auch sie befand sich in dieser Tretmühle, da die Näharbeiten alle Terminarbeiten waren! Der Druck von "Oben" wurde also an sie weiter gegeben, und sie gab ihn an uns weiter! Das Heim wurde gut für diese Arbeiten bezahlt, für uns gab es aber nichts! Erst viel später gab es auch im Hollabrunner Heim ein klitze kleines Taschengeld, in den Genuss ich aber nie gekommen bin! 

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zuletzt aktualisiert am

Sonntag, 04. April 2010 00:49