Jugendheim Hollabrunn

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1959-1966

Irgendwie verging auch dieses "Sklavenjahr"! Ich wusste, dass ich im Juli 1965 entlassen werden sollte. Ich hatte Angst von Berchmana getrennt zu werden, sie zu verlieren, Angst vor dem Kommenden! Wie sehr diese Angst gerechtfertigt war sollte sich bald zeigen!  Damals konnte man noch nicht nach Hollabrunn direkt durchwählen, man musste aufs Postamt und dort oft stundenlang auf eine Verbindung warten. Man konnte auch nicht, wie später, einfach in das Heim fahren, um  dort ein paar Tage zu bleiben . Der Besuch wurde auch noch dadurch erschwert, dass die Verbindung von Pitten nach Hollabrunn sehr umständlich war (Zug). Ich musste mit dem Zug bis Wr.Neustadt fahren, dann weiter bis Wien-Südbahnhof, dann umsteigen in einen Bummelzug bis Stockerau. Von dort fuhr nur alle 2 Stunden ein Zug bis Hollabrunn. Man konnte gerade 2, 3 Stunden bleiben, dann musste man schon wieder zurückfahren. Was blieb, waren nur die Briefe. 

Es war schon ein eigenartiges Gefühl, nach so vielen Jahren wieder bei meinen Eltern zu sein. Ich war ja in den langen Jahren nur 2 mal nach Hause gefahren. 1 mal zu meiner Firmung -5 Tage, einmal nach der Pflichtschule in den Ferien für 1 Woche! Alles war so klein und eng (Räumlichkeiten), kein Garten, kein Park, kein Schwimmbad, kein Eislaufplatz, einfach gar nichts! Gleich am ersten Werktag packte mich mein Vater auf sein Moped und fuhr mit mir sämtliche Fabriken in der Umgebung an. Niemand fragte mich "Was willst du eigentlich machen, was möchtest Du arbeiten" man erwartete einfach von mir, dass ich in irgend einer Firma Fließbandarbeit machen würde! Ich blieb beharrlich bei meinem Wunsch, weiter eine Schule besuchen zu dürfen, doch damit stieß ich auf taube Ohren!! Ich wurde überall sofort aufgenommen, aber..............nicht mit mir!!! Ich blieb entweder 1 Tag (maximum) oder auch nur 1 Stunde, dann weigerte ich mich diese Arbeiten weiter zu machen. Es gab täglich nur Krach mit meinem Vater, er konnte mich einfach nicht verstehen! Also riss ich genau an meinem 17. Geburtstag aus und trieb mich 4 Monate lang in der Weltgeschichte herum. Im Herbst 1965 meldete ich mich bei meinem Bruder, er aber verständigte die Polizei, die mich dann vor der Wohnung meines Bruders auffand und mitnahm. Ich kam in das Auffangheim "Bolzmanngasse " und nach 5 Tagen hatte ich endlich das erreicht, was ich erreichen wollte- man brachte mich wieder zurück nach Hollabrunn zu Berchmana! Ich bekam eine Galgenfrist von einem Jahr. Ich war sehr glücklich wieder "zu Hause" zu sein! Nach diesem Jahr musste ich das Heim endgültig verlassen, ich war ja bereits 18 Jahre alt.

Ich wurde am 15.Mai 1966 entlassen, am 20 Mai 1966 lernte ich den Vater meiner Kinder (Harald und Sonja) kennen. 7 Monate später war ich bereits verheiratet und endlich weg von meinen Eltern! Es klappte einfach nicht mit ihnen und so nahm ich einfach den nächstbesten Mann, der bereit war, mich zu heiraten! Natürlich konnte diese Ehe nicht gut gehen, und nach dem Tod meines Sohnes Harald, trennten wir uns endgültig! 

In all den Jahren in denen ich im Ausland war, hielt ich mit Sr. Berchmana Kontakt. Als ich im Jahre 1976 aus Afrika zurück kam  fuhr ich sie sofort besuchen. Ich war überrascht, alles hatte sich verändert! Ich hatte ein kleines Zimmer, in dem ich, wann immer ich zu Besuch kam, schlief! Ich blieb oft eine Woche oder mehr, integrierte mich wieder total in meine alte Gruppe. Ich schrieb Texte für die Faschingsaufführungen, rief die "Hollabrunner Hofsänger " ins Leben, übernahm die Dienste ausgefallener Erzieher, vertrat Berchmana wenn sie frei machen wollte. Ich übernahm alle Pflichten, um die man mich bat und es waren derer sehr viele! Ich suchte entlaufene Mädchen, fuhr bei Nacht und Nebel auf sämtliche Polizeistationen in der Umgebung um diese von dort abzuholen. Ich fuhr mit nach Knoppen/Steiermark, 2 Wochen lang,(fast 10 Jahre lang) kümmerte mich um die Mädchen, sang mit ihnen, spielte und veranstaltete auf meine Kosten Lagerfeuerabende! Mein 2.Mann richtete im Heim eine Diskothek ein (er verrechnete nur die Hälfte , seine Arbeitskraft natürlich nicht!), und seit dem gibt es monatlich einen Disko-Abend. 10 Jahre lang legte ich Platten auf, war ich d i e Stimmungskanone des Hauses! Ich bezahlte einfach alles (vom Geld meines Mannes!). Es war für mich selbstverständlich alles für "meine" Mädchen, meine Gruppe zu tun, was in meinen Kräften stand! Niemals ließ ich mir Benzin fürs Auto oder die vielen Stunden in denen ich aushalf, bezahlen! Ich bezahlte sogar meinen Aufenthalt in Knoppen selber. Es machte mir nie etwas aus , dass ich dies alles für ein Bett und das Essen tat! Hollabrunn war mein zu Hause, ganz einfach, ich tat dies alles mit großer Liebe und noch größerem Engagement!

Ich als Clown beim Fasching im Heim "Hollabrunner Hofsänger"
"Schleiertanz" Silvias"Seiltrick"
Sylvia Reiter und ich auch Silvia und ich
Sr.Monika u.Berchi bei der Taufe von Tamara, meinem jüngsten Enkerl Berchi bei der Arbeit
Monika, die jetzige Direktorin, Sr.Berchmana und ich bei einer Familienfeier Monika als Taufpatin meiner 2.Enkelin Michaela
Berchmana und ich in Knoppen, Berghütte Mein Mann und ich bei Hüttenspiele
Ehemalige Direktorin, Regina Grassl und ich beim Blödeln im Fasching Monika mit meiner Enkelin im Heim

 Nachdem ich mich von meinem Mann getrennt hatte, war ja auch kein Geld mehr da für das Heim................Mit ihm war auch das Geld weg und die Unterstützungen, die ich dem Jugendheim zukommen habe lassen. . Noch war alles ok in Hollabrunn aber ich merkte, dass man schön langsam versuchte mich raus zu ekeln.   Finanziell konnte ich nichts mehr bieten, und als ich mich dann auch noch um eine Gruppe schwarzer Studenten, die im Hollabrunner ehemaligen Priesterseminar eingezogen waren kümmerte, bekam ich die ersten gröberen Probleme! Es waren ja alle "nur" Moslems und das genau gegenüber eines katholischen Mädchenheimes!! Oh wie schlimm!!! Als ich mich dann auch noch in einen der Jungs verliebte, war die Toleranz  so mancher Personen  vorbei!  Ich spürte sehr genau den neuen kalten Wind , der nun wehte und zog mich von dem Heim zurück. Durch die Trennung von meinem Mann habe ich alles verloren. Meine große Wohnung, das Haus, mein Auto-alles weg, und auf einmal waren auch meine "guten Freunde" spurlos verschwunden!  Kein einziges Mal hat mir aus dem Heim jemand Hilfe angeboten, obwohl ich von 1976 bis 1994 alles für das Haus und die Insassen getan habe!! Sr. Berchmana war die Einzige, die mir Trost zusprach und mir einmal ein Packerl mit Lebensmittel geschickt  hat. Am Telefon, wir telefonieren sehr oft miteinander, sagte sie mir "Ich schäme mich für meine Mitschwestern!" Ich glaube, dieser Satz spricht Bände und muss nicht weiter kommentiert werden!! 

3. Jänner 2003

So , jetzt ist es geschafft! Der Bericht über das Hollabrunner Jugendheim   ist für mich der Versuch mit all dem was mir passiert ist, besser fertig zu werden, ganz werde ich es wohl nie schaffen  meine schlimmen Erlebnisse, die einzig und alleine von einer perversen, sadistischen Nonne verursacht wurden zu vergessen, das kann ich nicht!  Ich danke Euch allen, die Ihr Euch gemeldet habt, sei es als Ehemalige oder auch nur als Lesende meiner Seiten!  Ich hoffe, dass meine Bericht so verstanden wird, wie ich ihn auch meine....ich habe nie aufgehört an Gott zu glauben, aber ich verachte die verlogene, ekelerregende, schleimige Institution KIRCHE!!!!! Ich danke allen, die immer für mich da gewesen  sind und ihr Bestes gegeben haben,  es waren derer Viele! Liebe Berchi, Du warst immer für mich da, ich hoffe, es wird sich an unserer Freundschaft nichts ändern. Ohne Dich hätte ich die Jahre dort nicht so leicht durchgehalten. Was ich heute bin, tolerant, aufgeschlossen, hilfsbereit usw. verdanke ich einzig und alleine Dir,   Durch Dich habe ich so viel Gutes, so viel Liebe  Güte und Verständnis erfahren dürfen, danke, dass Du immer für mich da warst, danke , dass Du in mein Leben getreten bist, es wäre so Manches nicht so gelaufen, wie es lief, hätte es Dich nicht gegeben! Gott segne Dich und schenke Dir auch weiterhin noch viel Kraft für Deine so wichtige Arbeit im Hollabrunner Jugendheim! DANKE !!!!Deine Sonja

Bevor ich meinen Bericht beende möchte ich noch eine Reaktion einer Ehemaligen, die sie mir per Mail zukommen ließ, ohne Kommentar auf die Seite stellen. Sie schrieb mir Folgendes:

Liebe Sonja! Wenn Du glaubst nur bei uns in der Gruppe sind solche Sachen passiert, muss ich Dich enttäuschen. Es war fast in jeder Gruppe so!! Das dies so lange passieren konnte, war viel die Schuld von Solana,(Direktorin) sie wusste Bescheid, aber was nicht sein darf, ist einfach nicht so! Das war die Devise! Ich weiß  auch von dem Treiben der Sr. Regina, alles was Du da schreibst stimmt haargenau, auch meine Rutennarben  von den Schlagorgien lassen grüßen!!!  Grüße "Hans und Helga" 

Jugendheim Hollabrunn

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zuletzt aktualisiert am

Samstag, 03. April 2010 21:47